Anselm Schindler: Rojava. Demokratie ohne Staat?

2012 begann in den mehrheitlich kurdischen Gebieten Nordsyriens im Windschatten des Krieges um Syrien eine radikaldemokratische Revolution. Sie ist Ergebnis des jahrzehntelangen Kampfes der kurdischen Arbeiter*innenpartei PKK gegen kulturelle, ethnische und ökonomische Unterdrückung und dem noch länger andauernden antipatriarchalen Kampf der Frauen in der Region. Die kurdische Freiheitsbewegung hat sich den Kampf um Demokratie auf die Fahne geschrieben, den sie vor Allem als Kampf der Gesellschaft gegen den Staat begreift. Während Demokratie in den vorherrschenden  patriarchal-kapitalistischen Systemen als Staatsform begriffen wird, der Staat der Demokratie also inhärent scheint, werden die Begriffe Demokratie und Staat in der Freiheitsbewegung von Kurdistan und  Nordsyrien diametral gegenübergestellt. Die Theorie und Praxis dieser, als Demokratischer Konföderalismus bezeichneten Methoden gesellschaftlicher Transformation, knüpfen dabei an eine jahrtausendealte Tradition libertärer Aufbrüche an.